12. April 2018

KULTURTIPP: Ausstellungseröffnung "Halt die Ohren steif/ Keep a stiff upper lip!"

In loser Folge werde ich an dieser Stelle auf interessante Kunstprojekte hinweisen. Heute geht es um eine besondere Ausstellung in der Kunsthalle Erfurt.

Das vielfältige, beeindruckende Werk der Fotografin Gundula Schulze Eldowy, das 1990 bis 1993 in New York entstand, steht im Zentrum dieser Ausstellung in der Kunsthalle Erfurt. Zu sehen sind die vier großen New Yorker Serien „Halt die Ohren steif/Keep a stiff upper lip“, „In einem Wind aus Sternenstaub“, „Spinning on my Heels“ und „Flügelschlag des Herzens“ mit über 200 Fotografien.

Robert Frank und Gundula Schulze Eldowy 

Die Ausstellung beschäftigt sich mit der unbekannten Seite zweier Fotografen aus ehemals verfeindeten Welten, dem New Yorker Fotografen Robert Frank und der Ostberliner Fotografin Gundula Schulze Eldowy. Ihre Wege kreuzten sich erstmals am 8. Juni 1985 in Ostberlin. Die Fotografin war damals einunddreißig Jahre. Er doppelt so alt. Zwischen 1985 und 1989 schrieben sie sich beeindruckende Briefe. Gundula Schulze Eldowy wurde von ihm nach New York eingeladen. Die USA verlangte Einreisevisen. Robert Frank unterschrieb eine offizielle Verpflichtungserklärung der USA, im Falle einer Krankheit die Kosten zu tragen. Im Mai 1990 wohnte Gundula Schulze Eldowy wochenlang im Hause Robert Franks. In ihm hatte sie einen Verbündeten gefunden, der den gleichen Weg wie sie beschritt. Sie waren Menschen, die sich gegenseitig ins Herz schauten. Trotz der Unterschiede erschienen sie sich erstaunlich nah. Ihre Freundschaft war Zuneigung auf dem ersten Blick. Er behandelte sie als Verbündete, ist der Erste, der den Wert ihrer Fotos schätzte. 

„Ich hab dir ja schon geschrieben, wie mir deine Bilder von den Fabrikarbeitern gefallen. Du hast so viel Sympathie fürs Leben und Leiden. Für die Menschen, welche vor dir stehen und die ahnen, dass diese Fotos, dieser Moment übrig bleiben wird“, schrieb er über ihre Fabrikbilder, die die Fotografin 1985 machte. Postkartenabzüge schickte sie regelmäßig nach New York. „Die Fotos von den Menschen und Maschinen sind groß – bleiben im Gedächtnis, wie schwer das Leben ist. Ein Zeugnis für die Frauen und Männer, die weitermachen und immer verlieren“, antwortete Robert Frank beeindruckt.

Von 1990 bis 1993 lebte Gundula Schulze Eldowy in New York. Vier fotografische Zyklen entstanden in dieser Zeit.

Die Ausstellung wird am 14. April 2018 um 18 Uhr eröffnet.