27. September 2010

"Nur noch zwei Bomben bis zum Abendessen"

Zum heutigen Praxisseminar "Faszination Computerspiele: Spannungsfeld zwischen Jugendkultur und Jugendschutz", zu dem die Thüringer Landesmedienanstalt eingeladen hatte, erklären Dr. Birgit Klaubert, Kulturpolitikerin, und André Blechschmidt, medienpolitischer Sprecher der Linksfraktion: "Die Faszination von Computerspielen, auch sogenannter Ego-Shooter, macht keinen Bogen um Parlamentarier. Der praktische Teil des Seminars hat gezeigt, wie unterhaltsam, vielseitig aber auch herausfordernd Spiele auf Computern, Konsolen und tragbaren Geräten sein können. Entscheidend ist aber die Dosis."

"Es bewahrheitet sich leider, dass Jugendmedienschutz der technischen Entwicklung nur hinterher rennen kann", so André Blechschmidt. "Wirksamen Schutz vor ungewollten Nebenwirkungen moderner Medien kann nur Medienkompetenz bieten - und zwar bei Eltern, Pädagogen und Kindern. Deshalb sind die Angebote der Landesmedienanstalt in diesem Feld nur zu unterstützen. Die Angebote für Elternabende, bei denen die Erwachsenen mit den Spielen ihrer Kinder vertraut gemacht werden, müssen ausgebaut werden. Außerdem sollte die Landesregierung den Medienkundeunterricht evaluieren und Medienkompetenz auch schon im vorschulischen Bereich fördern."

Birgit Klaubert stellt fest, dass gerade Verbote oft die beste Werbung für ein bestimmtes Spiel seien: "Dass Erwachsene im Bereich der Computerspiele mit Kindern oft nicht auf Augenhöhe diskutieren können, lässt sich nicht durch Ver- oder Gebote lösen. Eltern und auch Großeltern sollten eigene Zurückhaltung überwinden und sich mit den Spielen vertraut machen. Dann lässt sich beispielsweise auch mal sagen, dass bis zum Abendessen nur noch zwei Bomben gelegt werden dürfen."